Freizeit

Probieren Sie Ihr Glück!

 

 

Gerne können sie diese Freizeitanlage benutzen. Der Schlüssel zur Kegelstatt wird vom Bartholomäer Kirchenwirt, der sich gegenüber der Kegelstatt befindet, aufbewahrt.

 

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Der Schlüssel zur Kegelstatt!

 

Historische Freizeitanlage

 

Wer vom Liebochtal herauf nach Sankt Bartholomä kommt, dem stechen zuerst die beiden Kirchtürme ins Auge. Gleich links neben der Ortseinfahrt empfängt den Besucher ein stadelartiges, langgestrecktes Bauwerk, das die Einheimischen „ Luahm-„ oder „ Kegelbudl“  bezeichnen.

 

Die Einrichtung dieser frühen „ Freizeitanlage“ fällt in das Jahr 1894, wie ein Monogramm am Giebelblatt des nebenstehenden „ Salettls“ (Pavillon, kleines Gartenhaus) verrät. Zu dieser Zeit ließ der damalige Kirchenwirt Johann Track, der zugleich Bürgermeister von Sankt Bartholomä war, die Kegelstatt errichten. Das Bauwerk fand auch in der einschlägigen Fachliteratur Beachtung. Im Bildband „ Alte Holzbaukunst in Österreich“ von Otto Swoboda ist zu lesen „ Kegelstatt aus dem 19. Jahrhundert, leichter Ständerbau, bestehend aus einer mit Fenstern ausgestatteten Vorhalle für Kegelspieler und dem anschließenden langgestreckten, laubenartig gezimmerten Kegelgebäude.“

 

Im Zuge der im Jahr 1975 auf Initiative von Hans Koren vorgenommenen Renovierung der Alten Pfarrkirche, wurde auch die Kegelstatt vor dem Verfall bewahrt und das Schindeldach zuletzt erneuert.

 

Ortsbildgestaltung und Ortserneuerung sind seit Beginn meiner Tätigkeit als Bürgermeister wesentliche und zentrale Anliegen für mich. Aus diesem Grund hat im Herbst 2005 der Gemeinderat von Sankt Bartholomä einstimmig beschlossen, den Prozess „ Lokale Agenda 21“ in unserer Gemeinde umzusetzen, um insbesondere bei diesen Themen die Bevölkerung in die Entscheidungsfindung einzubringen. Die Gemeindebürger haben bei einer Befragung ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass die Bartholomäer Kegelstatt erhalten bleiben soll. Sehr rasch wurde entschieden, auch bei der Ortsbildgestaltung mit dem Bereich um dieses historische Bauwerk zu beginnen.

 

Mein Ziel war eine Planlösung mit zusätzlichen Parkmöglichkeiten für Kirchenwirt und Arzthaus sowie ein würdiger Rahmen für unsere alte Kegeltstatt. Wir sind daher nach dem Grundsatz, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden, vorgegangen. 

 

Außerdem wollen wir das Bauwerk für unterschieche Zwecke nutzen können. Neben de Kegeln auf der „ Luahmbudl“ wird es daher auch Ausstellungen, Märkte und andere Veranstaltungen geben.

 

In zahlreichen Sitzungen und Besprechungen haben viele Menschen dazu beigetragen, dass dieses erste Projekt unserer Ortserneuerung ein voller Erfolg wurde, dafür danke ich allen. Mein besonderer Dank gilt unserem Gemeindebediensteten Erwin Kröll für die Koordination mit den ausführenden Firmen sowie für die vorbildliche Zimmermannsarbeit. 

 

Bürgermeister Josef Birnstingl

 

Experten am Wort

 

„Die Kegelstatt aus dem 19. Jahrhundert steht aufgrund ihrer authentischen Erhaltung als ein außerordentlich seltenes Beispiel ihrer Art unter Denkmalschutz. Das teilweise abgemorschte Bauwerk wurde zimmermannsmäßig und denkmalpflegerisch vorbildlich instand gesetzt.“

 

Mag. Karin Derler, Bundesdenkmalamt

 

„ Wir haben das Gebäude durch eine ebene Platzfläche umschlossen und dabei besonderen Wert auf Natürlichkeit der Oberfläche gelegt. Die dem Platz zugeordneten Sitzstufen werden, hoffen wir, zur Geselligkeit vor und nach dem kegeln sowie auch bei anderen Veranstaltungen positiv beitragen.“

 

Ing. Wolfgang Rothschädl, Artivo planung+ bauleitung

 

„Es ist sehr erfreulich, dass sich eine Gemeinde wie Sankt Bartholomä bei der Renovierung ihrer Kegelstatt dieser so typischen Deckungsart besonnen hat und damit ein Gebäude mitten im Ort eindeckt. Die Erhaltung und das Wissen um das Schindeldach stellt doch einen Teil unserer wertvolle regionalen Kultur dar und es ist zu offen, dass dich die Ortsbewohner sowie Besucher daran erfreuen werden.“

 

Mag. Egbert Pöttler, Österreichisches Freilichtmuseum

 

Weißbuche und Pockholz

 

Kegelbaum

 

Kugel und Kegel

Kegeln zählt zu den beliebtesten Wettkampf- und Gesellschaftsspielen der Welt. Laut Überlieferung wetteiferten die Germanen schon vor dem Mittelalter beim „Stein- Ziel- werfen“ auf drei, sieben oder neun Kegelknochen. Die Spielregeln waren lange Zeit völlig offen. Kegeln durfte auf keinem Jahrmarkt, bei keinem Kirchenweihfest und auf keiner Hochzeit fehlen. Es diente der Belustigung von Jung und Alt, Arm und Reich. Durch den gewaltigen Durst der Kegelbrüder kam es beim Kegeln immer wieder zu Raufereien und sogar Messerstechereien waren keine Seltenheit.

 

Der Kegelbaum

 

Die Bahn der Bartholomäer Kegelstatt ist ein so genannter „ Kegelbaum“, der aus dem Stamm einer Erle geschnitten ist. Der 19.5 Meter lange Kegelbaum ist am Anfang der Bahn 25 Zentimeter breit und verjüngt sich bis zum ersten Kegel auf nur 11 Zentimeter. Es bedarf also einiger Geschicklichkeit, der Kugel eine gerade Richtung zu geben.

 

Kegel und Kugel

 

Die Bartholomäer Kegel bestehen aus dem splitterfreien Holz der Weißbuche, im Volksmund auch „ Hainbuche“ oder „ Steinbuche“ genannt. Sie sind 30 Zentimeter hoch und haben an der breitseiten Stelle einen Durchmesser von 8,5 Zentimetern. Die Kugel besteht aus dem harten und harzreichen Holz des Guajak- Baumes, im Volksmund auch „ Pockholz“ genannt. Diese Holzart ist so schwer, dass sie sogar im Wasser untergeht.

 

Das Dach der Kegelstatt

 

Eine Eigenart der österreichischen Dachlandschaft stellt das weststeirische Schieferschindeldach dar, wobei die Verbreitung nur den Nordteil der Weststeiermark betrifft. In den Berggebieten, die über keine Ziegelmöglichkeiten verfügen, fand man eine Alternative im fichtenen Schieferdach.

 

Fichte wurde als Grundmaterial für die Schindeln verwendet, weil gerade im weststeirischen Berggebiet der Fichtenanteil sehr hoch war und die qualitativ viel bessere Lärche fast nicht zur Verfügung stand.

 

Charakteristisch für das Schieferdach ist sein fischgrätenartiges Verlegmuster, welches die Haltbarkeit des Fichtenholzes durch bessere Durchlüftung erhöht. Für das neue Dach der Kegelstatt wurde von Handwerkern aus der Gemeinde 12.000 Schindeln von Hand gespalten.